Ute Wöllmann schreibt “über die Kunst”

Freie Akademie der Bildenden Künste-Kärnten @ Akademie für Malerei Berlin

Bei dem Austausch der Freien Akademien zählt der Gedanke, dass die Studierenden verschiedene Zugänge zur Kunst und Malerei kennen lernen. So hat die Akademie in Klagenfurt einen philosophischen Schwerpunkt, während das Herzstück des Studiums der Akademie für Malerei Berlin die wöchentlichen Bildbesprechungen sind. Jeweils vier Studierende kommen in den Genuss eines 14-tägigen Stipendiums.

Die lieben Kollegen…

Ein Malerkollege hat sich irgendwann nach dem Tod Vermeer’s an seinem Bild zu schaffen gemacht und Teile einfach übermalt! Da hat einer entschieden: „So wie es ist, ist es nicht gut – und so, wie ich das jetzt mache, ist es besser: Das hier muss ganz weg und ich nehme diesen Farbton dafür“. Wer macht so was und aus welchem Grund? Da erhebt sich einer über die Kunst eines anderen.

Anarchie der Preisgestaltung

Als ich als Touristin in Marokko, Ägypten, Tunesien unterwegs war, habe ich dort erfahren, dass der Preis für alle Dinge die es zu kaufen gibt Verhandlungssache ist und abhängig ist vom Verhandlungsgeschick der jeweiligen Verhandelnden. Jemand der nicht verhandelt wird nicht respektiert, außerdem ist er oder sie selber Schuld an den hohen Preisen die er oder sie zahlen muss.

Es sterben die Ateliers und die Galerien in Berlin

Seit Jahren ist es den politischen Akteuren in Berlin bekannt – und was ist passiert? Nichts, was diese Entwicklung wirklich aufhält. Die Mieten sind so hoch wie noch nie – und ein Ende dieses Treibens ist nicht in Sicht. Den Spekulantinnen und Spekulanten wird nicht Einhalt geboten. Berlin lockt mit seinem Image der hippen und preiswerten Kulturstadt mit Tausenden von Künstlerinnen und Künstlern Tausende von Leuten an, die sie dann anschließend verdrängen.

Erfolgreich den Quereinstieg meistern

Ist es überhaupt möglich, neben dem Beruf zu studieren? Auch in den Köpfen der Querseinsteigerinnen und Quereinsteiger selbst schwirrt der Mythos des „sich der Kunst ganz verschreibenden Künstlers“ herum. Hätte man nicht auch „lebenslange Entbehrungen in Kauf nehmen“ sollen, um sich voll und ganz der Kunst zu widmen? Lohnt es sich noch, ein Studium zu beginnen – ist es überhaupt möglich, mit über 40 und7oder mehr Jahren die künstlerische Auseinandersetzung „aufzuholen“?

Manchmal muss man durchhalten

Das Leben durchkreuzt oft genug die besten Pläne und hält auch harte Schicksalsschläge bereit, die zu Pausen zwingen, den eingeschlagenen Weg in Frage stellen, vielleicht auch neue Entscheidungen erforderlich macht. Im besten Falle geht man gestärkt aus solchen Krisen hervor, hat sich auch in solchen Phasen neu kennen gelernt und weiß vielleicht künftige Krisen besser zu händeln.

Vom Habitus des Meisters zur verheerenden Nicht-Lehre

An diesem Ideal der künstlerischen Selbstbestimmung, von der Notwendigkeit, nach den eigenen Bildsprachen und Bildinhalten zu suchen und sich dabei gleichzeitig am Meister orientieren zu müssen, reiben sich die jungen, lebensunerfahrenen Studentinnen und Studenten – noch dazu völlig ohne Führung – an den staatlichen Hochschulen jedoch hoffnungslos auf und fangen an zu straucheln.

Austausch der freien Akademien: Die Berliner in Klagenfurt

Gerade in diesen schwierigen Zeiten wäre doch der Zusammenhalt unter den Künstlerinnen und Künstler wirklich wichtig um etwas zu bewirken in Politik und Gesellschaft. Die österreichische Gesellschaft schätzt ihre Künstlerinnen und Künstler hoch, dies äußert sich auch durch viel mehr vorhandene Gelder und Förderungen für die Kunst durch die öffentliche Hand als in der Kulturförderwüste Deutschland.

Lohnt es sich noch?

Vincent van Gogh schuf in den letzten 10 Jahren seines Lebens ein Werk von Weltrang. Er hinterliess 864 Gemälde und über 1000 Zeichnungen. Diese Tatsache sollte allen Mut machen, die sich mit dem Gedanken tragen ihrem Leben eine neue Richtung zu geben und das künstlerische Schaffen in den Mittelpunkt zu stellen. Ein komplettes künstlerisches Oeuvre von Weltrang ist also in nur 10 Jahren zu bewerkstelligen! 10 Jahre sollten viele von uns doch noch vor sich haben!